Volleyball für Kenia

Ich bin nun seit November 2004 beim IPPNW Düsseldorf und war sofort voller Tatendrang. Bei einem meiner ersten Treffen erfuhr ich von einem Krankenhaus in Kenia, das dringend Spenden braucht. Außer den üblichen Verdächtigen - bei Kirchengemeinden und Krankenhäusern Spenden zu sammeln - viel mir zunächst keine kreative Hilfe ein. Bis zu unserer Weihnachtsfeier, zu der ich mit großen Erwartungen aufbrach. Meiner Euphorie wurde jäh ein Ende gesetzt, als ich im Unicom ankam, denn die Weihnachtsfeier bestand aus der Anwesenheit von Ingo und Alex und eben meiner Wenigkeit. Nach einigen allgemeinen Diskussionen kamen wir doch auf das Krankenhaus zu sprechen. Alex fand die Idee gut etwas für das Krankenhaus zu organisieren, das Problem war nur das „Irgendetwas“. Ingo wollte lieber mal wieder ein wenig für die Gesundheit der Düsseldorfer Studenten tun und ein Sportevent organisieren. Also Fußballturnier… nein, wir wollen einen Kenia Abend. Nee, lieber ein Volleyballturnier… für Kenia!!! Und aus zwei verschiedenen Interessen wurde innerhalb weniger Minuten die Idee für ne Menge Spenden und ne Menge Spaß.

Auf dem nächsten Treffen wurden dann - diesmal mit allen zusammen - unsere Vorstellungen konkretisiert. Wir brauchen 20 Mannschaften mit je mindestens sechs Spielern. Jedes Team zahlt eine Teilnahmegebühr von 25€. So weit so gut. Das wäre schon mal ein Anfang, was die Spenden angeht. Aber wofür brauchen die in Kenia das Geld eigentlich? Das kann man herausfinden! Also setzte sich Christian kurzerhand in den Semesterferien in den Flieger und machte sich auf den Weg nach Maseno.

Dort fand er ein Pilotprojekt wie es in dieser Form in Kenia kein zweites gibt. Das Hope Center, spezialisiert auf Infektionskrankheiten. Es gibt einen Arzt, der zunächst für ein Jahr angestellt ist und mit vielen freiwilligen Helfern (unter anderem Medizinstudenten aus aller Welt) und ausgebildetem Pflegepersonal eine Ambulanz betreibt. Das Bild das sich diesen Menschen bietet ist erschreckend, aber die Erfahrung etwas zu bewirken einfach wunderbar. Pro Tag kommen mehrere dutzend HIV und AIDS Patienten in das Hope Center um sich testen und behandeln zu lassen. Früher, als es in Maseno noch kein Krankenhaus gab, hätten sie alle nach Nairobi reisen müssen. Und auch jetzt ist der Weg für viele Kenianer zu weit. Deshalb fahren die Helfer regelmäßig in die umliegenden Dörfer um Aufklärungsarbeit zu leisten und die Menschen in ihren Häusern zu behandeln. Sie erleben vor Ort und in ihrem Krankenhaus mit welch einfachen Mitteln man den Kenianern helfen kann. Um aber nicht nur die Kranken zu behandeln, sondern auch etwas für die Menschen an sich zu tun, bilden die Helfer Kenianer zu Pflegepersonal aus und bieten ihnen somit eine Zukunft.

Das Hope Center muss allerdings noch ausgebaut werden, denn wie schon erwähnt können Patienten bis jetzt nur in der Ambulanz behandelt werden. Es soll noch eine Station mit ungefähr zehn Betten eröffnet werden, sowie eine eigenen Apotheke. Unterstützt wird das Krankenhaus von African Hope und der Coptischen Kirche. Und vom IPPNW Düsseldorf…

Bei dem Volleyballturnier sollten nicht nur Spenden gesammelt werden, sondern vor allem darauf aufmerksam gemacht werden, dass in Kenia noch medizinisches Equipment benötigt wird. In fast jedem Krankenhaus und in fast jeder Praxis gibt es veraltete Geräte die nicht mehr benutzt werden oder Material welches leicht entbehrt werden könnte und das für das Personal in Kenia eine enorme Erleichterung bedeuten würde (unter anderem Blutdruckmanschetten, OP-Lampen, pädiatrische Wärmedecken und vieles mehr – für weitere Infos einfach eine E-mail an ippnw@web.de).

Mit den benötigten Informationen konnte die Organisation in Deutschland in die letzte Runde gehen. Sponsoren waren gefunden, zwei Bands und ein DJ für die Party am Abend hatten zugesagt. Und am Samstag den 07.05.2005 um sieben Uhr morgens (!) war es dann endlich so weit. Die Studenten des IPPNW Düsseldorf trafen sich frisch und fröhlich um in der Sporthalle der Heinrich Heine Universität alles für das Volleyballturnier aufzubauen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, zum Beispiel das wir keine Netze für die Spielfelder hatten und nur sechs Bälle für 120 Spieler die sich vor dem Turnier einspielen wollten, lief im Endeffekt doch alles nach Plan. Um 10.30 Uhr wurden die ersten vier Spiele der Vorrunde angepfiffen. Dank der Anwesenheit einiger Profiteams wurde zwar das Spiel für die Amateure, wie zum Beispiel die beiden Teams des IPPNW Köln sehr schwierig, aber plötzlich waren genug Bälle da und die Spielplanung wer wann gegen wen spielt lief quasi wie von selbst.

Trotzdem erlebten wir Organisatoren kurz vor Mittag noch eine höchst positive Überraschung, als die coptische Gemeinde Düsseldorf mit dem versprochenen typisch afrikanischen Essen vorfuhr. Plötzlich war für unsere Getränke kein Platz mehr, denn die Copten hatten genug Essen für 200 Leute gekocht… und ein Gericht besser als das nächste! Müßig zu erwähnen, dass wir bis zum Abend restlos alles weggefuttert hatten. Und die Gemeinde hat uns das Essen völlig kostenlos zur Verfügung gestellt, so dass wir die Einnahmen ebenfalls nach Kenia schicken konnten.

In der Mittagspause trat eine Capoeire Gruppe auf, die alle mit ihrer Tanz-und Kampfkunst und mit ihren Gesängen beeindruckt haben.

Nachdem dann alle Spieler gestärkt waren, gingen die Volleyballspiele in die Endrunde. Um ca. 17.30 war das Finale beendet und es ginge zur Siegerehrung über. Um die Volleyballer für ihr Engagement ordentlich zu belohnen hatten wir uns besondere Preise einfallen lassen. Für die zweiten Sieger haben wir etwas Typisches aus Düsseldorf gesucht. Die Toten Hosen, völlig begeistert von dem Turnier, wären gerne persönlich vorbei gekommen, waren aber durch ihre Tour verhindert. Als kleine Entschädigung haben sie uns handsignierte T-Shirts gesponsort, die wir dem strahlenden zweitbesten Team überreicht haben (bei diesem Preis verliert man das Finale doch gerne!). Für das Siegerteam des Volleyballturniers sind wir bzw. Christian etwas weiter gereist, nämlich bis nach Kenia zu einem echten Vodoo-Priester, der nur für unsere Volleyballer Holzmasken geschnitzt hat. So oder so ähnlich haben sich die Sieger riesig über den exotischen Preis gefreut.

Und damit lief das Volleyballturnier und auch der Tag dem sicheren Ende zu. Doch wir wollten die Spieler und alle Helfer natürlich nicht einfach so gehen lassen. Also war für den Abend noch eine Party geplant auf der wir alle zusammen unseren Erfolg des lang geplanten Events Volleyball für Kenia gefeiert haben…

Wir hoffen euch alle im nächsten Jahr wiederzusehen!